Die konventionelle Landwirtschaft erscheint bei näherer Betrachtung wie ein Schildbürgerstreich. Man bekommt den Eindruck, dass dabei, unter dem Einsatz enormer Energien versucht wird, den Boden so schnell wie möglich zu ruinieren, Tiere so viel wie möglich leiden zu lassen und dabei möglichst viel Profit zu lukrieren. Andere Wege geht die Permakultur. Grund genug für uns ein Gespräch mit dem bekannten Buchautor und Permakultur-Experten Peter Steffen zu führen.

Natur heilt: Peter, du hast im letzten Jahr ein Buch veröffentlicht mit dem Titel: Mit Permakultur „Zurück ins Leben“. Was hat dich dazu bewogen?

Peter Steffen: Ich habe mich immer schon für die Themen Umwelt, Gesundheit und Ernährung interessiert. Da war der Weg zum Thema Landwirtschaft und Permakultur nicht mehr weit. Der „moderne“ konventionell arbeitende Bauer verhält sich ja, etwas überspitzt formuliert, so, dass er im Frühjahr 30 Kartoffeln in den Boden eingräbt, um dann im Herbst 10 Kartoffeln zu ernten.
Dies bedeutet, dass in der konventionellen Landwirtschaft unglaublich viele Ressourcen einfach vergeudet werden. Permakultur arbeitet anders. Hier wird versucht, schonend und sinnvoll mit den Mitteln umzugehen, die uns geschenkt wurden.

Natur heilt: Was bedeutet der Name „Permakultur“?

Peter Steffen: Permakultur ist ein Konzept, das auf die Schaffung von dauerhaft funktionierenden, nachhaltigen und naturnahen Kreisläufen zielt. Ursprünglich für die Landwirtschaft entwickelt, ist sie inzwischen ein Denkprinzip, das auch Bereiche wie Energieversorgung, Landschaftsplanung und die Gestaltung sozialer Infrastrukturen umfasst. Permakultur in der Landwirtschaft bedeutet eine Erhaltung der Artenvielfalt, einen viel höheren Ertrag bei wesentlich weniger Arbeit und eine Arbeit mit der Natur, anstatt gegen die Natur.

Natur heilt: Ein Mann, der in Österreich mit dem Begriff Permakultur untrennbar verbunden ist, ist Sepp Holzer, der „Argrarrebell“. Was kannst du uns über Herrn Holzer erzählen?

Peter Steffen: Ich kenne Sepp Holzer sehr gut. Er ist im wahrsten Sinn ein Rebell. Viele Steine wurden ihm von den Behörden in den Weg gelegt, er hat sie alle weggeräumt oder ist einfach um sie herum gegangen. Ich hatte als einziger Journalist weltweit die Chance, Sepp Holzer drei Jahre lang bei verschiedenen Großprojekten zu begleiten. Er gilt als die „Argrar-Feuerwehr“ und wird immer wieder in Gebiete gerufen, wo eine vom Mensch vergewaltigte Natur in den letzten Zügen liegt. Er ist inzwischen ein international anerkannter Experte und leitete Projekte in Norwegen, Spanien, Portugal, Russland und in vielen anderen Ländern der Welt.

Natur heilt: Was ist von den modernen Technologien, wie zum Beispiel der Genmanipulation, in der Landwirtschaft zu halten?

Peter Steffen: Genmanipulation in der Landwirtschaft ist, ganz klar ausgesprochen, ein Machwerk menschlicher Unvernunft und Gier. Ein riesiger Konzern, sein Name ist Monsanto, versucht die Herrschaft über die Ernährung der Welt zu erlangen. Eingesetzt werden dabei genmanipulierte Samen, auf die nur Monsanto das alleinige Patent besitzt. Die Bauern fallen somit wieder zurück in die Rolle der „Leibeigenen“. Monsanto liefert neben den Samen auch gleich die passenden Spritzmittel, keine anderen Chemikalien können eingesetzt werden. Aber nicht nur die Bauern werden betrogen, sondern auch die Konsumenten. Genmanipuliertes Gemüse schädigt nachweislich unsere Gesundheit. Unterstützt werden solch üble Machenschaften von höchster Ebene. Die US amerikanische Regierung steckt mit Monsanto unter einer Decke. In Europa spielt der Pharmariese Bayer eine ähnliche Rolle, indem er mit den Umweltministern diverser Staaten kooperiert. Aber reden wir doch bitte weiter über Permakultur. Sie bietet ja schließlich wirkliche Lösungen an.

Natur heilt: Ist Permakultur etwas, das nur großflächig eingesetzt werden kann, oder kann man sie auch in einem Schrebergarten betreiben?

Peter Steffen: Wie schon gesagt, zu allererst ist Permakultur eine Philosophie, eine Lebenseinstellung. Man kann Permakultur sogar auf dem eigenen Balkon betreiben, man kann auf einem kleinen Raum Kartoffeltürme errichten (dabei erntet man von einem halben Kilo Kartoffel ca. 20 Kilogramm), wir haben Permakulturanlagen sowohl in Altenheimen als auch in Kindergärten errichtet, der Phantasie sind da keine Grenzen gesetzt. Menschen aller Altersstufen freuen sich, wenn sie etwas wachsen und gedeihen sehen. Man sollte dahin gehen, die Menschen wieder umzuerziehen. Weg von den Fast Food Tempeln und Supermärkten, hin zur Selbstbestimmung und Selbstversorgung. Ich selber habe schon unzählige Anlagen errichtet. Unter anderem am Gut Aiderbichl in Salzburg, in Leibnitz, Hengsberg oder Deutschlandsberg, um nur einige zu nennen.

Natur heilt: Du hast uns ja geholfen auch in Mogersdorf eine Anlage zu errichten, dafür danken wir dir ganz besonders.

Peter Steffen: Ja, die Anlage ist gar nicht so klein geworden. Wir haben immerhin mehr als 40 Kubikmeter Holz eingegraben und sehen heuer schon einen schönen Erfolg.
Wartet ab, bis die Anlage im nächsten Jahr ihren vollen, natürlichen „Betrieb“ aufnimmt. Ihre werdet eine reiche Ernte haben.

Natur heilt: Lieber Peter, wir danken für das Gespräch.