Andere düngen die Pflanzen, wir pflegen den Boden!

Eine Erfolgsgeschichte aus dem Marchfeld

Woche für Woche warten 5 – 6.000 BioKisterln, nur 10 Kilometer vor den Toren Wiens darauf, in die Bundeshauptstadt gebracht zu werden. Sie sind vollgefüllt mit Gemüse und Obst aus biologischem Anbau. Ihre Empfänger sind Menschen, die umwelt-und ernährungsbewusst leben. Gepackt werden die Kisterl am Biohof Adamah, der von der Familie Zoubek geführt wird. Grund genug für mich, mich ins Auto zu setzen, um den Biohof zu besuchen.

Im Hofladen werde ich herzlich empfangen. „Den Gerhard findest du im zweiten Stock, geh einfach die hölzerne Außentreppe hinauf“. Im zweiten Stock angelangt werde ich ebenso herzlich empfangen, diesmal von Gerhard Zoubek persönlich. Sofort erkenne ich, dass ich jemanden vor mir habe, der seine Berufung zu seinem Beruf gemacht hat. Keine Schnörkseleien, keine langwierigen Einleitungszeremonien, Wasser wird aus der Flasche getrunken und schon sind wir mitten im Gespräch.

Natur heilt: Woher kommt der Name deines Hofes Adahmah?

Gerhard Zoubek: Der Begriff „Adamah“ kommt aus dem Hebräischen und bedeutet sowohl Mensch
(Adam), als auch lebendige Erde. Der Schöpfer hat den ersten Menschen aus dem Boden erschaffen. Ist der Boden gesund, ist auch der Mensch gesund. Diese Verbindung zwischen dem Boden und dem Menschen hat uns sehr gut gefallen, daher haben wir sie aufgegriffen und umgesetzt.

Natur heilt: Wie hat die Idee eines Biohofes eigentlich begonnen?

Gerhard Zoubek: Das war 1997. Der Hof gehörte den Eltern meiner Frau und es war an der Zeit ihn zu übernehmen. Meine Frau und ich erklärten uns bereit, aber nur unter der Voraussetzung, dass wir ihn in einen Biohof umwandeln. Dies war zu Beginn natürlich eine kleine Katastrophe. Eine Biolandwirtschaft wurde zur damaligen Zeit mit den Alpen verbunden, aber nicht mit dem Marchfeld. Der Einfluss der chemischen Industrie war (und ist immer noch) sehr groß und niemand konnte sich vorstellen, dass wir mit einer biologischen Landwirtschaft so erfolgreich werden.

Natur heilt: Was ist denn er größte Unterschied zwischen der konventionellen und der biologischen Landwirtschaft?

Gerhard Zoubek: Der größte Unterschied ist, dass die Biolandwirtschaft den Boden pflegt, die konventionelle Landwirtschaft düngt die Pflanze, dies macht sehr viel aus. Die Humusschichte ist das Wertvollste in der Landwirtschaft. Hier im Marchfeld haben wir eine Humusschichte von ca. 30 Zentimeter und das ist schon sehr viel, wird diese ruiniert, dann ist es um die Landwirtschaft schlecht bestellt. Wir pflegen unsere Böden mit Grünschnittkompost und Pferdemist, wir achten auf eine Fruchtfolge und sehen den Hof selbst als einen Organismus an. In einer Handvoll Humus leben mehr Mikroorganismen als es Menschen auf der Welt gibt. In dieses Ökosystem sollte man besser nicht mit Kunstdünger eingreifen. Noch dazu haben diese Substanzen ja ein Naheverhältnis zu Agent Orange, einem Entlaubungsmittel aus dem Hause Monsanto, ein Produkt das im Vietnamkrieg eingesetzt wurde.

Natur heilt: Was willst du den Konsumenten vermitteln, was ist deine Botschaft?

Gerhard Zoubek: Die Konsumenten sollten wissen, dass im Jahr 1950 von einem Euro ( damals natürlich Schilling oder D-Mark) den sie für Lebensmittel bezahlt haben noch 62 Cent an den Landwirt gingen. Im Jahr 2000 waren es gerade einmal 21 Cent, der Rest geht zum Handel. So kann man als Bauer nicht mehr existieren, außer man hat sehr, sehr große Flächen.
Außerdem sollte der Konsument sich überlegen, ob es wirklich darauf ankommt, dass alle Produkte aus der Landwirtschaft ein makelloses Aussehen haben müssen. Oft wird ja Obst nicht gekauft, weil kleine Flecken darauf zu sehen sind oder die Form nicht ideal passt. Man kann nicht ein „bisschen schwanger“ sein, man kann auch nicht ein „bisschen bio“ sein. Die Konsumenten sollten sich deutlich entscheiden und ihre Entscheidung dann auch konsequent tragen. An einem kleinen Fleck am Apfel ist noch niemand erkrankt, wenn jedoch die Böden kaputt sind wird es schwer sein, gesund zu bleiben.

Natur heilt: „Bio“ boomt, wie sieht die Erfolgsbilanz des Adamah Hofes aus?

Gerhard Zoubek: Wir haben das Glück, dass Glinzendorf nur ca. 10 Kilometer von Wien entfernt ist, wir haben den Markt also direkt vor unserer Nase. Wir bewirtschaften derzeit ca. 90 Hektar selbst und haben Verträge mit Zulieferern aus Italien und Frankreich. Bioqualität ist natürlich garantiert. Im Sommer arbeiten ca. 40 Leute auf den Feldern, im Vertrieb haben wir 80 – 100 Leute beschäftigt. Woche für Woche werden 5 – 6.000 BioKisterl nach Wien gebracht, dazu brauchen wir eine Flotte von 15 Fahrzeugen.

Natur heilt: Wie kann ein Biobetrieb inmitten von Anbauflächen bestehen, die konventionell bearbeitet werden?

Gerhard Zoubek: Wir tun unser Möglichstes. Wir errichten Windschutzgürtel, verzichten selbstverständlich auf jeden Kunstdünger und verwenden biologisches Saatgut, sofern es verfügbar ist. Ist es nicht verfügbar, dann holen wir uns von der Kontrollstelle eine Ausnahmegenehmigung. Gebeiztes Saatgut kommt für uns natürlich nicht in Frage. Man muss ja bedenken, dass die großen Konzerne für die großen Produzenten Saatgut herstellen und entwickeln. Trotz einer positiven Entwicklung steht die Biolandwirtschaft immer noch in einer versteckten Ecke. Es liegt aber allein am Konsumenten, dies zu verändern. Der Konsument bestimmt, was gekauft wird und macht er sich die Mühe und blickt hinter die Kulissen der Landwirtschaft, dann kann er sich ein klares Bild machen.

Natur heilt: Was sind die Visionen von Gerhard Zoubek und dem Adamah Bio Hof?

Gerhard Zoubek: Ich habe neben der biologischen Landwirtschaft auch ein Projekt mit erneuerbarer Energie (Solarenergie Anm. der Redaktion) gestartet. Meine Hauptvision ist es jedoch, dass ich keine verbrannte Erde hinterlasse, wenn ich einmal diesen Planten verlasse.

Ich kann mich gerade noch kurz von Gerhard verabschieden und mich für das Gespräch bedanken. Ohne sich eine Pause zu gönnen geht er sofort in seine nächste Besprechung. Gerhard Zoubek lebt seinen Beruf und liebt seine Berufung. Ich packe nun meine BioKisterl ein und mache mich wieder auf den Weg nach Mogersdorf.