Eine Serie über verschiedene Esskulturen

Ein chinesisches Sprichwort sagt: „Nicht durch die Apotheke, durch die Küche führt der Weg zur Gesundheit“. Dieses Sprichwort würde ich jedem Medizinstudenten ans Herz legen. Ernährung ist einer wichtigsten Faktoren zur Erhaltung und Wiedererlangung der Gesundheit. Frische, vitaminreiche Lebensmittel sind die wichtigsten Helfer für den Arzt und man sollte sie zu Hilfe nehmen. Die Realität sieht aber leider meistens anders aus.

Wenn ich Menschen bei chronischen Krankheiten bezüglich gesunder Ernährung  berate, dann scheitert die Umsetzung manchmal an zwei Faktoren. Der erste Faktor ist ganz einfach die fehlende Bereitwilligkeit, die Ernährungsgewohnheiten zu ändern. Zu verlockend sind Speisen mit Transfetten, tierische Produkte wie Schweinebraten, Geselchtes oder auch wertlose, leere Kalorien wie raffinierter Zucker und Weißmehl. Man macht lieber so weiter wie bisher und läuft dafür wöchentlich in die Apotheke, um sich die verschriebenen Medikamente abzuholen.

Der zweite Faktor liegt allerdings manchmal bei meinen Kollegen. Schon  öfter bekam ich nach einer Beratung die Rückmeldung: „wer hat Ihnen denn diesen Blödsinn eingeredet“? Es handelt sich dabei meist um Kollegen, die einen anstrengenden Arbeitstag haben und auf Grund von Zeitmangel ihren Patienten keine Ernährungsberatung anbieten können. Es gibt also auch in der Medizin offensichtlich unterschiedliche Auffassungen von Ernährung, fast zwei unterschiedliche Kulturen.

Als junger Arzt arbeitete ich in einem der größten Spitäler Wiens und habe alle internen Akutpatienten erstversorgt. Ich hatte damals aber auch die Aufgabe das Essen „vorzukosten“, das den Patienten zu Mittag serviert wurde. Dieses Essen war um 9 Uhr in der Früh fertig gekocht und wurde warm gehalten. Zudem war es sehr „fleischlastig“. Nun, ich weiß nicht wie es heute aussieht und ich verstehe auch, dass es die Logistik in den großen Spitälern nicht zulässt, dass die Speisen für die Patienten frisch gekocht werden. Trotzdem sollte man, gerade bei chronischen Krankheiten, die betroffenen Menschen aufklären.  Allein in Österreich erleiden ca. 24.000 Menschen jährlich einen Herzinfarkt (Quelle: https://www.gesundheit.gv.at). Wenn man die Aufklärung richtig macht und den Patienten auch nach dem Spitalsaufenthalt betreut, dann würde dies viele Arbeitsplätze schaffen und dem Kassensystem enorm viel Geld ersparen. Ich berichte ab er hier nicht nur von Menschen mit Gefäßkrankheiten. Auch Menschen die an Krebs leiden, Allergien ihr Eigentum nennen und Menschen mit chronischen Gelenksbeschwerden. In all diesen Situationen kann eine gezielte, nähstoffreiche Ernährung helfen. Dennoch: am Essen scheiden sich die Geister.

Wie würde denn eine sinnvolle Ernährung, aussehen, die zur Linderung aber auch zur Verhütung chronischer Krankheiten beitragen kann?

Um Ihnen dies näher zu erklären, muss ich einen kurzen Abstecher machen in eine relativ neue Wissenschaft, die Epigenetik. Bis vor ein paar Jahren ging man davon aus, dass allein die Gene unsere Gesundheit bestimmen. Zum Beispiel dachte man bei einer Krebserkrankung „blöd gelaufen“ und sah sich als wehrloses Opfer seiner Gene, damit gab man quasi die Verantwortung für die individuelle Gesundheit an die Gene ab. Auch heute noch ist diese Vorstellung weit verbreitet. Die Epigenetik jedoch lehrt uns, dass es nicht die Gene sind, die uns krank machen, sondern die Umgebung in der die Zellen leben und diese schaffen wir selbst.

Stellen Sie sich vor, Sie leben in einer Umgebung voller Unrat, Gestank und Parasiten, wäre es da nicht logisch, dass Sie krank werden? Genau so geht es unseren Zellen, wenn wir minderwertige Nahrung zu uns nehmen. Ich spreche nun nicht davon, dass die Nahrung verdorben ist, ich spreche von Nahrungsmittel, die Sie in jedem Supermarkt und in jedem Fast Food Restaurant kaufen können. Was passiert mit den Zellen, wenn Sie in dieser Umgebung leben müssen? Es werden Gene methyliert (Anlagerung von Stickstoffmolekülen) und aktiviert, die eigentlich gar nicht aktiv sein sollten, diese Aktivierung führt zu Krankheiten wie Entzündungen, aber auch Krebs.

Hier nur ein kleiner Auszug davon, was „moderne“ Lebensmittel für einen Schaden anrichten können: Transfettsäuren und ein Überschuss von Omega 6 Fettsäuren verursachen Gefäßschäden, raffinierte Kohlenhydrate (Soft Getränke) verursachen einen Mineralstoffmangel, schädigen die Bauspeicheldrüse und verursachen so Diabetes, Antibiotika haltiges Hühner- und Putenfleisch erzeugt

Antibiotikaresistenzen in unserem Körper, viele moderne Nahrungsmittel erzeugen Entzündungen, die die Grundlage für fast alle chronischen Krankheiten sind. Hier gäbe es viel zu tun, zum Beispiel einen Aufklärungsbummel durch einen Supermarkt.

Was aber ist die Alternative? Die Säuberung des Körpermilieus! Es geht schlichtweg darum, dass man krankmachende Speisen weglässt und wertvolle Lebensmittel zu sich nimmt. Krebszellen wollen keine Himbeeren! Beeren, Samen, Früchte, Gemüse, Pilze, vollwertiges Getreide, wertvolle Öle usw. sind Lebensmittel, die Ihren Körperzellen eine lebenswerte Umgebung schaffen können. Sie alle dienen zur Gesunderhaltung, aber auch zur Unterstützung wieder gesund zu werden. Oft ist es notwendig auf eine natürliche Nahrungsergänzung zurück zu greifen. Dies sollte aber nur temporär passieren, bis man seinen Lebensstil geändert hat.

Sie werden sich fragen: warum hat die Mainstreammedizin diese Chance noch nicht erkannt? Nun, am Essen scheiden sich die Geister!